Als Raumausstattermeister entwickle ich seit vielen Jahren Farb- und Tapetenkonzepte – für einzelne Räume ebenso wie für ganze Objekte. Dabei werde ich immer wieder gefragt, welche Tapeten ich selbst besonders gerne einsetze und was für mich eine wirklich gute Tapete ausmacht. Die Antwort darauf hat selten nur mit Farbe oder Muster zu tun. Mich interessiert stets das Zusammenspiel mit dem Interieur, der Maßstab eines Musters, die Wirkung einer Oberfläche im Licht und nicht zuletzt die Atmosphäre, die dadurch in einem Raum entsteht.
Für diesen Artikel habe ich zehn Tapeten aus unseren neuesten Kollektionen ausgewählt, die ich 2026 häufig für Moodboards nutze. Manche sind leise und leben von ihrer Materialität, andere dürfen einen Raum bewusst bestimmen. Entscheidend war für mich dabei immer die Frage: Was macht diese Tapete mit dem Raum und warum würde ich sie einsetzen? Außerdem habe ich zu jedem Raum einen Vorschlag für zur Tapete passende ergänzende Farbtöne aus dem Sortiment unserer englischen Farbhersteller zusammengestellt.
Harlequin Tidam
Ich mag Tapeten, die ihre Qualität nicht sofort preisgeben. Diese hier gehört für mich genau in diese Kategorie. Aus der Entfernung wirkt sie fast wie eine ruhige, leicht getönte Wandfläche; erst beim Näherkommen entdeckt man die kleinen, fein gesetzten Ornamente und den Rhythmus, den sie über die Wand legen. Diese Beiläufigkeit gefällt mir sehr. Das Muster verlangt keine Aufmerksamkeit und verändert den Raum trotzdem spürbar. Gerade in Verbindung mit skulpturalen Möbeln, Metall, Naturstein oder dunklem Holz entsteht daraus eine sehr kultivierte Form von Zurückhaltung.
Tres Tintas Planet Statement
Mich reizt hier der respektlose Umgang mit etwas vermeintlich Kostbarem. Eine klassische Landschaft, die ebenso gut aus einer historischen Sammlung stammen könnte, wird mit Schrift und intensiven Farbflächen übermalt. Genau dieser Widerspruch macht das Wandbild für mich interessant. Es bewegt sich irgendwo zwischen dekorativer Wandgestaltung, Street Art und großformatigem Kunstwerk. In einem ansonsten reduzierten Raum würde ich ihm viel Fläche und möglichst wenig Konkurrenz geben. Es darf irritieren – und genau deshalb bleibt es im Gedächtnis.
Coordonné Florentine Stripe
Ein Blockstreifen ist eigentlich etwas ausgesprochen Klassisches. Interessant wird er für mich hier durch die handgemalte Oberfläche. Die Linien sind nicht vollkommen steril, die Farbflächen besitzen leichte Nuancen, und plötzlich verliert das geometrische Raster seine Strenge. Genau solche kleinen Unvollkommenheiten machen einen Raum lebendig. Besonders schön finde ich den Dialog mit historischer Architektur: Stuck, Naturstein und altes Holz treffen auf ein Muster, das vertraut erscheint und trotzdem überraschend modern wirkt. Für mich ist das eine sehr selbstverständliche Form von Eleganz.
Omexco Elemental
Hier brauche ich eigentlich kein Muster. Die Oberfläche genügt. Ich liebe diese wattige, stumpf-matte Materialität, die das Licht beinahe zu absorbieren scheint. Aus der Nähe erinnert sie an Textil, aus einiger Entfernung entsteht eine ruhige, fast mineralische Fläche. Genau diese Ambivalenz finde ich spannend. Die Wand wird dadurch selbst zu einem Material im Raum und nicht lediglich zum Hintergrund. Für mich entsteht Luxus häufig genau so: über Oberflächen, die man erst beim zweiten Blick versteht und instinktiv berühren möchte.
Sandberg Alba
Was mich hier zuerst anspricht, ist der Maßstab. Die Baumkronen sind so großzügig angelegt, dass man das Muster weniger als klassische Tapete und vielmehr als Teil der Architektur wahrnimmt. Dazu kommt diese sehr schöne Balance aus kühlen Blau- und Grüntönen und warmen, erdigen Nuancen. Nichts wirkt zu perfekt aufeinander abgestimmt, und gerade deshalb funktioniert es. Ich mag außerdem die zeitlose Natürlichkeit des Musters. Es hat Präsenz, ohne modisch zu sein, und kann einen Raum vollständig prägen, ohne ihn zu überfrachten.
Eijffinger Felt
Mich interessiert an dieser Tapete vor allem, dass sie sich nicht eindeutig einordnen lässt. Ist es Textil? Stein? Eine gealterte Wand? Genau diese Uneindeutigkeit macht die Oberfläche für mich so reizvoll. Die kühle Farbigkeit steht in einem wunderbaren Kontrast zu ihrer weichen, beinahe stofflichen Erscheinung. Sie erinnert mich an urbane Räume, an Lofts, an Materialien, die mit der Zeit Patina entwickeln – und wirkt trotzdem warm und wohnlich. Ich würde sie überall dort einsetzen, wo eine Wand Tiefe bekommen soll, ohne dass ein eigentliches Muster den Raum bestimmt.
Osborne & Little Xanadu
Bei Farbe bin ich entweder sehr zurückhaltend oder sehr konsequent – und diese Tapete ist wunderbar konsequent. Ich liebe das Zusammenspiel aus Türkis, Grün, Pink, Orange und Gelb. Eigentlich müsste diese Kombination laut und anstrengend sein, auf mich wirkt sie jedoch erstaunlich selbstverständlich. Vielleicht liegt es an den weich auslaufenden Konturen, die dem geometrischen Muster etwas Textiles, fast Ikatartiges geben. Die Farben haben Energie, aber auch Wärme. Für mich ist das eine dieser seltenen bunten Tapeten, bei denen ich nichts wegnehmen möchte. Die Mischung ist genau richtig.
Sandberg Nico
Dieses Wandbild hat eine Ruhe, die ich sehr schön finde. Die Blüten und Zweige konzentrieren sich auf die oberen Bereiche der Wand und lassen darunter bewusst viel Fläche frei. Dadurch bekommt die Komposition Luft – und der Raum kann weiter atmen. Ich mag dieses Prinzip sehr, weil die Tapete nicht versucht, jeden Zentimeter zu dekorieren. Die zurückgenommenen Grün- und Naturtöne verstärken diese fast poetische Wirkung. Für mich ist das eine sehr elegante Möglichkeit, Natur in einen Raum zu bringen, ohne daraus ein klassisches florales Interieur zu machen.
Little Greene Lily Pads
Diese Tapete macht mir schlicht Freude. Zunächst sieht man eine üppige Seerosenlandschaft mit großen grünen Blättern und zart rosafarbenen Blüten. Dann entdeckt man Libellen, Vögel – und schließlich die Otter, die zwischen den Blättern hervorschauen. Ich liebe diesen leicht exzentrischen Humor. Das Muster nimmt sich selbst nicht zu ernst und ist gleichzeitig ausgesprochen schön komponiert. Auch farblich gefällt mir die Mischung sehr: viele unterschiedliche Grüntöne, der dunkle Grund und dazwischen das helle Rosa der Seerosen. Ein Raum bekommt damit sofort eine Geschichte.
Little Greene Moon Daisies
Ich habe eine große Schwäche für dieses tiefe, leicht gedämpfte Grün. Es besitzt etwas sehr Geborgenes und bildet einen wunderbaren Hintergrund für die fast naiv gezeichneten Gänseblümchen. Gerade dieser Kontrast gefällt mir: Die Grundfarbe ist satt und elegant, die Blüten sind leicht, charmant und ein wenig unbeschwert. Dadurch bekommt das Muster eine Frische, die verhindert, dass das dunkle Grün schwer wirkt. Ich könnte mir diese Tapete besonders gut in einem kleineren Raum vorstellen, den man ganz bewusst in Farbe hüllt – intim, charaktervoll und mit einem kleinen Augenzwinkern.
Autor: Kai Bergen
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